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#22 – Wie Torsten Mattuschka zu seinem Lied kam

Torsten Mattuschka ist bekannt für das Lied, das immer gesungen wurde, wenn er zum Standard für den 1. FC Union antrat. Wie beim Derbysieg im Olympiastadion 2011 gegen Hertha BSC. Doch seit wann wurde das Lied gesungen und wie entstand es?

Quellen:

Skript:

Ohrwurm gefällig? Bitte sehr:

Dieses Lied erblickte 2010 das Licht der Welt und ich möchte heute von der Entstehung des Mattuschka-Liedes und ein paar Geschichten drumherum erzählen.

Das Original von Gloria Gaynor

Zuerst das Original. Die Melodie stammt aus dem Refrain des Hits “Can‘t take my Eyes off you” von Gloria Gaynor. Nur damit wir das mal als Vergleich haben. So hörte sich das damals bei ihr an:

Wie das Tusche-Lied 2010 entstand 

Wie ist dieses Lied eigentlich entstanden? Darüber ist tatsächlich etwas bekannt. Und das kann man in Matze Kochs Buch “Der eiserne Aufstieg: Unions langer Weg in die Bundesliga” nachlesen.

Das berühmte Mattuschka-Lied, das sich ab der Saison 2009/10 nach und nach etabliert, verdankt der Kultkicker Torsten Mattuschka den Fans Leumi und Tino. Der Köpenicker Tino, Jahrgang 1987, nimmt sich als großer Sympathisant von Manchester United eine Huldigung für Owen Heargreaves zum Vorbild. Dem früheren Mittelfeldspieler von Bayern München widmen die ManU-Anhänger in der Saison 2007/08 ein Lied, als United die englische Meisterschaft und die Champions League gewinnt.

Hören wir mal kurz rein, wie das 2008 in einem Moskauer Hotel nach dem Champions-League-Sieg klang:

Sie singen tatsächlich:

Oh, Owen Hargreaves!
You’re the love of my life
Oh, Owen Hargreaves
I’d let you shag my wife
Oh, Owen Hargreaves
I want curly hair too!

Weiter aus Matze Kochs Aufstiegsbuch:

Die Melodie nach dem Hit “Can’t take my eyes off you” von Gloria Gaynor tritt bei Union Jahre später ihren Siegeszug an. “Die Idee entstand aus einer Bierlaune heraus auf einer Auswärtsfahrt. Mattuschka hat es verdient. Er ist einer der wichtigsten Unionspieler  der letzten 20 Jahre”, sagt Miterfinder Tino.

Richtig mitbekommen haben dürften das Lied alle spätestens am 21. März 2010 beim 0:0 gegen Alemannia Aachen. Ein Spiel auf Matschrasen. Ich habe dazu damals beim Textilvergehen geschrieben:

Viel imposanter daher, dass von den Rängen eine Unterstützung kam, als ob die Jungs in den rot-weißen Trikots noch einmal im Aufstiegskampf mitmischen würden. Anfeuerung des eigenen Teams, Kosenamen für die gegnerischen Spieler und den Schiedsrichter. Und dazu eine Hymne für Torsten Mattuschka, den unermüdlichen Racker im Mittelfeld, der knapp mit einem Freistoß an Stuckmann scheiterte. Vom Spiel wird sicherlich nicht viel in Erinnerung bleiben, aber dieses Lied bleibt im Ohr.

Das Lied wurde aber schon vorher angestimmt, denn der Text  wurde bereits am 19. Februar 2010 beim Heimspiel im Flyer Wald-Seite abgedruckt. 

Abdruck des Mattuschka-Liedes im Kurvenflyer Wald-Seite zum Spiel gegen Koblenz vom 19.02.2010
Abdruck des Mattuschka-Liedes im Kurvenflyer Wald-Seite zum Spiel gegen Koblenz vom 19.02.2010

Tusche selbst sagte in Matze Kochs Mattuschka-Biographie, dass er das Lied schon eine Woche vorher gehört hat beim Auswärtsspiel in Fürth: “Das habe ich es das erste Mal gehört, aber nicht richtig verstanden. Beim nächsten Mal war es ein Heimspiel gegen Aachen, beim Freistoß direkt vor der Waldseite.”

Im Magazin “Wuhleprädikat Wertvoll” Nummer 9 von 2014 ist zu lesen:

“Ich erinnere mich noch, wie Leumi und Tino nach einer Auswärtsfahrt rumalberten und auf der bekannten Melodie das Tuschelied zusammenspannen. Nach der erfolgreichen Feuertaufe in der Abseitsfalle beim darauffolgenden Heimspiel wurde das Lied von uns immer bei einem Freistoß gesungen. Die Leute neben uns guckten uns an wie Autos, doch irgendwann traf er, und nachdem wir es im Anschluss wieder sangen, war der Stadionhit schlechthin geboren. Somit trugen auch wir zu seinem Kultstatus bei.”

Was dieses Lied so besonders macht? Ich glaube, das liegt zum einen daran, dass der Anlass mit den Standardsituationen so geeignet war. Das Spiel ist einen Moment ruhig und die Fans können in die Stille dazwischensingen. Das Spielgeschehen lenkt nicht weiter ab. Und es kann direkt mit einem Tor belohnt werden. Außerdem fängt es immer wieder von selbst neu an. Mit dem letzten Wort Vereeeeeeeeeeein holt man quasi wieder Schwung für die neue Runde.

Höhepunkte

Ich glaube, dass jeder so seine persönlichen Höhepunkte mit diesem Lied verbindet. Aber da ich heute durch die Sendung führe, habe ich mir einfach welche herausgesucht, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Die Top 1 ist für mich ganz klar der Gesang des Lied am 5. Februar 2011. Es war das erste Pflichtspiel-Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union im Olympiastadion. Union war krass unterlegen, aber es stand 1:1 und dann kam dieser Freistoß von Torsten Mattuschka. Aber hören wir mal kurz rein in den Gästeblock mit seinen rund 20.000 Unionern beim Freistoß:

 

Und aus fast der gleichen Zeit noch ein Gänsehaut-Moment. Es war das Weihnachtssingen 2010, als Christian Arbeit mit seinen Eltern aufspielte:

 

In der Saison 2013/14 kamen wir kaum raus aus dem Singen. Torsten Mattuschka war ja sowieso Standardschütze Nummer 1 und das Lied war entsprechend oft zu hören. Aber in seiner letzten kompletten Unionsaison war es besonders oft von Erfolg gekrönt. Mit 12 Toren (davon einige Elfmeter) und 12 Vorlagen wurde Tusche Top-Scorer der Zweiten Liga.

Hallenmasters Berlin: eine extra Regel für Tusches Lied

Es gibt ein Berlin seit einigen Jahren im Januar ein Hallenturnier der Traditionsmannschaften. Und seit Torsten Mattuschka dort für Union mitspielt, gibt es eine Regel, die im Prinzip nur für ihn existiert.

Alle Freistöße sind indirekt auszuführen. Wird ein Spieler bei der Ausführung eines Freistoßes durch seine Fankurve mit einem eigenen Lied, welches seinen Namen trägt, unterstützt, so ist der Freistoß auch direkt ausführbar. Bedingung für diese Ausnahme ist, dass der Freistoß aus der eigenen Spielhälfte ausgeführt wird.

Union spielte im Gruppenspiel wie eigentlich immer gegen Hertha BSC und gewann mit 5:2. Hertha schrieb danach auf Twitter: “Bisschen kurios unterliegen die Herthaner dem @fcunion. Leider wusste der Schiri nicht, dass direkte Freistöße (3!) nicht zählen.”

In der Tat hatte der Schiedsrichter die Regel falsch ausgelegt, denn Tusche traf alle Freistöße direkt in der gegnerischen Hälfte. Aber da es auch ein Spaßturnier ist, einigten sich die Teams in der Halbzeit darauf, dass die Tore zählen, aber der Schiedsrichter dafür ab der 2. Halbzeit die Regel in ihrem eigentlichen Sinne auslegt.

Witzigerweise gewann Tusche bei dem Turnier nicht nur den Titel des Publikumslieblings damit auch den Titel des Torschützenkönigs mit 7 Treffern. Er nahm den Preis aber nicht an: “Ich verzichte darauf, weil ich drei irreguläre Tore geschossen habe.

Hier das Video mit den 3 direkten Freistoßtreffern gegen Hertha:

Bundesliga-Aufstieg: Tusches Lied erklingt in der Relegation

Am 27. Mai 2019 fand im Stadion an der Alten Försterei das Rückspiel in der Relegation gegen den VfB Stuttgart statt. Union hatte im Hinspiel 2:2 gespielt. Es ist die 77. Minute. Robert Zulj bekommt einen Freistoß. Die Stuttgarter Mauer steht bereit.

Doch es dauert noch etwas, weil bei Schiedsrichter Christian Dingert noch am Funkmodul seines Headsets gearbeitet wird. Während alle so warten, wird plötzlich das Mattuschka-Liedg angestimmt. Vielleicht um sich Mut zu machen. Um den Ball ins Tor zu singen. Doch Robert Zulj jagt ihn dann nach einer Minute mitten in die Stuttgarter Mauer.

Warum singen die Fans plötzlich in einem der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte plötzlich von einem Mann, der gar nicht mehr spielt? Weil sie glauben, dass der Ball dann reingeht. Weil sie sich Mut ansingen. Es gibt viele Erklärungen. 11Freunde hat dazu etwas Schönes geschrieben:

Einer der wesentlichen Gründe, warum Fußballfans während der Spiele so einen Krach machen, wird zumeist verschwiegen: Angst! Das ganze Gesinge und Gehüpfe und Geschreie ist nämlich oft genug nur Ausdruck schrecklicher innerer Beklemmungen, dass es doch wieder schief geht. Und selten haben 22.000 Menschen in diesem Land einmal soviel Krach gemacht wie am Montagabend in der Alten Försterei in Berlin. […]

Denn in der schönsten Szene des Spiels verwandelten die völlig durchgedrehten Schreihälse in Rot und Weiß ihre Angst in Humor um. In der 77. Minute war das, als Robert Zulj sich einen Freistoß am Stuttgarter Strafraum zurechtlegte. Weil der Schiedsrichter irgendwelche Probleme mit seiner Technik hatte, verzögert sich die Ausführung dieses Freistoßes und da begannen einige Zuschauer zu singen und schließlich alle: »Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann. Torsten Mattuschka, du kannst, was keiner kann. Hau ihn rein für den Verein.« 

Wir wissen. Es blieb beim 0:0. Union schaffte den Aufstieg in die Bundesliga. Und zwei Tage später steigt die große Aufstiegsfeier. Eintrag ins Goldene Buch der Stadt im Roten Rathaus. Danach geht es ab nach Köpenick. Und zwar per Boot mit der Viktoria von Eddyline.

Auf der Bootsfahrt von der Eastside Gallery zum Luisenhain und Rathaus Köpenick passierte etwas Historisches. Aber hören wir uns das am besten an, denn die Szene mit dem heiseren Sebastian Polter, Robert Zulj und Torsten Mattuschka wurde freundlicherweise im Aufstiegsfilm von Union festgehalten.

Wie findet Tusche eigentlich sein Lied?

Es gibt wahnsinnig viele Antworten dazu, denn Torsten Mattuschka wird das wahrscheinlich in jedem größeren Interview gefragt. Deshalb habe ich 2 Antworten herausgesucht, die eine gewisse Bandbreite abdecken. Eine direkt nach dem Bekanntwerden des Liedes 2010 und eine von 2018, nachdem er seine aktive Karriere beendet hatte.

Nach dem Aachen-Spiel im März 2010 sagte er dem Berliner Kurier: “Unsere Fans feuern uns immer super an. Aber wenn es so persönlich wird, ist das einfach ein geiles Gefühl. Das hat mich unheimlich stolz gemacht.”

2018 nach seinem Karriere-Ende sagte er im Kicker-Interview dazu: “Wenn ich mir überlege, der kleene Dicke von der Malerbaustelle hat einen eigenen Song, den ganz Deutschland kennt. Das ist doch etwas Geiles.”

On Air:

avatar Daniel Roßbach
avatar Sebastian Fiebrig
Die Musik wurde von David erstellt und die Logos von Steffi entworfen. Der Podcast beruht auf dem Konzept des famosen Geschichts-Podcasts Zeitsprung von Daniel Meßner und Richard Hemmer. Danke für alles!

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2 Kommentare zu “#22 – Wie Torsten Mattuschka zu seinem Lied kam

  1. Für mich war/ist das Anstimmen des Tusche-Lieds im Relegationsheimspiel neben den im Podcast genannten Aspekten auch und vor allem eine Reminiszenz an „die gute alte Zeit“ und an einen der Spieler, die großen Anteil daran hatten, dass für Union nun diese Zeit gekommen ist. Unvergessen!

  2. Vielen Dank für eure Mühe ihr Beiden! Hab alle Folgen durch.. Freue mich auf weitere Folgen!

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